Die Therapie des chronischen Mundgeruches

Da in vielen Fällen (ca. 70%) die Ursache in der Mundhöhle selbst liegt, sollte Ihr erster  Ansprechpartner Ihr Zahnarzt sein. Hier sollten Füllungen, Kronen und Zahnfleisch kontrolliert werden. Mundwässer und Gurgel- lösungen sind keine Dauerlösung, im Gegenteil. Bei zu häufiger Anwendung überwuchern schädliche Bakterien und verschlimmern so den Mundgeruch. Evtl. muss eine Zahnfleischbehandlung vorgenommen werden.

Der nächste Gang führt zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dort werden Nase, Nasennebenhöhlen und Rachen am Besten mit dem Endoskop untersucht. Auc h eine Computertomographie kann sinnvoll sein. Beim Vorhandensein von Nischen muss eine operative Therapie der Nasennebenhoehlen oder der Gaumenmandeln durchgeführt werden.

Wird auch hier keine Ursache gefunden, sollte bei gleichzeitigem Vorliegen von Magen-Darm-Störungen - Durchfall, Verstopfung, Oberbauchschmerzen, Blähungen, Aufgetriebensein - ein Internist oder am besten ein Spezialist für diesen Bereich, ein Gastroenterologe, zu Rate gezogen werden.
Bei gestörter Darmflora muss evtl. ein Antibiotikum eingesetzt oder gar eine Stuhl-Transplanation gemacht werden und eine Umstellung der Ernaehrung erfolgen.

Als weitere Möglichkeit müssen vom Lungenfacharzt krankhafte Prozesse in den tieferen Atemwegen, den Bronchien und den Lungen ausgeschlossen werden. Die Behandlung von entzuendlichen Schleimhäuten der tiefen Atemwege kann vor allem antibiotisch erfolgen oder bei Aussackungen der Bronchien (Bronchoaktasien) operativ.

Zuletzt sollte auch an eine Störung der Nieren und/oder der ableitenden Harnwege (auch der Prostata!) gedacht werden. Aus diesem Grund kann der Urologe ein weiterer Ansprechpartner sein.

Da chronischer Mundgeruch fast immer durch eine Veränderung der Mikrobiologie (Bakterien und Pilze) auf den betreffenden Schleimhäuten hervorgerufen wird, sollte in jedem Fall die Einschaltung eines mikrobiologischen Fachlabors in Erwägung gezogen werden (Zungen-, Rachen-, Zahnfleischtaschenabstrich, Stuhl-Unter suchungen etc.).

ZUsammenfassend kann man sagen, dass die Therapie bei einer konsequent optimalen Mundhygiene mit regelmäßiger Benutzung von Zahnseide und täglicher Zungenreinigung beginnt und geht über diätetische Maßnahmen (= Nahrungsumstellung) und der Beeinflussung der Psyche bis hin bis zur Operation einer Hiatus Hernie oder einer chronisch entzündeten Nasennebenhöhle durch den Chirurgen.

Vielfach lässt sich der Mundgeruch aber auch nur ganzheitlich, mit homöopathischen Arzneien oder mit den Mitteln der TCM, der traditionellen chinesischen Medizin (Diäten,Kräuter und Akupunktur) heilen oder zumindest vermindern. Nur in ganz seltenen Fällen sollte die chemische Keule, d.h. Antibiotika eingesetzt werden. In diesem Fall müssen die verursachenden Erreger genau erkannt und auf Resistenzen getestet  worden sein.
Zur Abklärung sind oft Besuche bei Ärzten verschiedener Fachrichtungen nötig.

Leider haben viele Ärzte und Zahnärzte  eine gewisse Scheu vor dem Thema Mundgeruch. Dies erklärt auch, dass es in Deutschland so gut wie keine Fachliteratur zu diesem, für die Betroffenen oft sehr ernsten und quälenden Thema gibt. Noch schlimmer kommt es, wenn man bedenkt, dass die oft unkritische Gabe von Antibiotika durch den Arzt einen chronischen Mundgeruch erst auslösen kann.

Während es in den USA, in England und in Skandinavien bereits auf Mundgeruch spezialisierte Ärzte und Kliniken gibt, ist Deutschland in dieser Hinsicht noch ein Entwicklungsland.